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Europa hat gewählt

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Liebe Schwestern und Brüder,

Europa hat gewählt. Nun können das Parlament und die Kommissionen wieder an ihre Arbeit gehen und versuchen, die Probleme zu lösen, die wir hier in Europa und weltweit haben. Wer schon einmal in Brüssel oder Straßburg war und sich das Europaparlament angesehen hat, wird sich die Frage stellen, wie diese monströse Bürokratie effektiv arbeiten kann. Wichtig dabei ist, so glaube ich, das Ringen um Einigkeit, Kompromissbereitschaft und Solidarität.

Man konnte schon freudig erstaunt sein,

als Europa und die Welt eine ungeahnte Solidarität nach dem Brand von Notre-Dame in Paris an den Tag legten. Hier wurden Gelder für den Neuaufbau zugesagt und Solidaritätsnoten abgegeben, dass einem ganz schwindlig wurde. Gut so! Notre-Dame soll wieder aufgebaut werden. Dieses einzigartige Zeugnis christlicher Baukunst und diese Stätte der christlichen Kunst und des Christentums überhaupt darf nicht für immer und ewig verloren gehen. Gott sei Dank ist bei dem Brand kein Mensch zu größerem, leiblichem Schaden gekommen.

Wo aber bleibt die europäische Solidarität, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht, die über das Mittelmeer ihren lebensbedrohlichen Weg nach Europa suchen? Ich hätte mir gewünscht, dass die Regierungen in Europa dieselbe Solidarität für die Flüchtlinge aufbringen würden. Das Mittelmeer ist mittlerweile ein Massengrab geworden – auch weil man sich in Europa nicht einigen kann, wer wie viele Flüchtlinge aufnimmt. Da schieben sich die europäischen Nationen den schwarzen Peter zu und nehmen Tausende von Todesfällen in Kauf. Notre-Dame sind Steine, im Mittelmeer geht es um Menschen. Sollten wir im christlichen Abendland, der Wiege der Humanität und der Menschenrechte, Gottes Geschöpfe nicht mehr wertschätzen als Steine? Wir sind als christliche Menschen zuerst der Nächstenliebe verpflichtet. Was im Großen gelingen kann, muss im Kleinen beginnen.

Deshalb fangen wir am besten bei uns an!

Vielleicht sollten wir alle in der nächsten Zeit in unserem ganz persönlichen Umfeld verstärkt auf Nächstenliebe und Solidarität achten. Möge Gott unser aller Tun segnen!

Ihr Paul Heselmann, Diakon